Prora „Die Gedanken sind frei“

11 Arbeiten 21 x 29,7 FineArt Print weiß gerahmt

20.000 – 10.000

„Vielfalt, nicht Uniformität ist Stärke.“ (Willy Brandt)

Wenn ein Staat versucht, sein Volk in uniformistischer Gleichheit zu dressieren, dann zumeist deshalb, weil er Angst vor der Individualität des Einzelnen und dessen sprühender Gedankenwelt hat.

Wenn zwei Staaten, die systemisch unterschiedlicher nicht sein können – das Dritte Reich und die DDR – sich eines Symbols bedienen mit der Absicht, große Teile der Bevölkerung in einen Gleichtakt zu zwingen, und wenn dann ein dritter Staat, der vorgibt aus der Geschichte, vor allem seiner eigenen, gelernt zu haben, sich auch ebendieses Uniformitätsrelikts bedient, sind Zweifel kein Zeichen eines übertriebenen Alarmismus. 

Einmal mehr, wenn dieser letzte Staat sich doch auf die Fahnen geschrieben hat, die Freiheit, Würde und Individualität des Einzelnen ganz besonders zu schützen, zu achten und zu wahren. Auch der Versuch, diesem Sinnbild des staatlichen Direktivismus das Mäntelchen des parzellierten Eigentums überzuwerfen, vermag allenfalls vordergründig zu kaschieren, das es bleibt, was es immer war: Das geordnete, uniforme Verstauen eines Bevölkerungsteils, sauber getrennt durch kleine Hecken, und sich allein vielleicht in der Frage unterscheidend, ob der Terassengrill über das Internet bezogen wurde, oder aber doch vom Baumarkt um die Ecke stammt. 

Wenn der Historiker Valentin Groebner schreibt, „Urlaub verspricht die Reise in ein Früher, das auf magische Weise konserviert wurde und wieder zugänglich ist“, dann kann dies mit Blick auf diesen Ort nicht Gutes verheißen. Wird hier eine gute Geschichte erzählt werden; welche Vergangenheit eines Orte gibt eine gute Geschichte her, welche nicht? 

„Auferstanden aus Ruinen und der Zukunft zugewandt“, so die Nationalhymne der DDR fortschrittsoptimistisch einst, scheint vor lauter Unheil-Vergangenheit die Gegenwart an diesem Ort aber keine Luft mehr zu bekommen. Leidet dieser Ort nicht an zuviel Vergangenheit, werden hier nicht mit den alten Gebäuden auch die vordemokratischen Ideen rekonstruiert? Mit der Rekonstruktionsarchitektur ist es wie mit dem Rechtspopulismus: man versucht den Problemen von heute mit den Lösungen von gestern beizukommen. Es gibt kein Sehnen nach Utopia mehr, sondern nach Retrotopia, der Sehnsucht nach einem verlässlichen, heimeligen, traditionsseligen Gestern. Oder, wie der Soziologe und Philosoph Baumann sagte, „da ich das Glück in der Zukunft nicht finde, trete ich den Rückzug in die Vergangenheit an“.

Das Symbol oder auch Sinnbild bezeichnet Bedeutungsträger, die mit einer Vorstellung, mit Ideen und Gedankengebäuden assoziiert werden, z.B. das Hakenkreuz mit dem Nationalsozialismus oder Hammer und Sichel mit dem Kommunismus. 

Der Koloss von Prora auf Rügen ist Gestalt gewordenes Sinnbild zweier Diktaturen und einer freien Marktwirtschaft. 

Das unvollendet gebliebene Relikt des nationalsozialistischen Gedankens des Seebades für 20.000 Volksgenossen wurde im Kalten Krieg zum Symbol für die nächste Diktatur: „Welche Macht muss die Partei (die SED) doch haben, so fühlte ich“, schreibt ein ehemaliger Unteroffizier, der in dem nun zur größten Kasernenanlage der DDR ausgebauten Koloss Dienst tat.

geschrieben H.G.